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Anders als häufig angenommen bezeichnet Samt keine Faser, sondern eine besondere Webart. Grundlage bildet ein Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung. Während des Webprozesses wird ein zusätzlicher Kett- oder Schussfaden eingearbeitet, wodurch sogenannte Schlingen entstehen. Diese werden am Ende aufgeschnitten und bilden den typischen Flor, der Samtstoff seine weiche, leicht glänzende Oberfläche verleiht.
Je nachdem, ob der Flor aus den Kett- oder Schussfäden entsteht, unterscheidet man zwischen Kettsamt und Schusssamt. Gerade dieser Flor sorgt dafür, dass Samtstoff je nach Lichteinfall unterschiedlich schimmert und besonders hochwertig wirkt.
Heute bestehen viele Samtstoffe aus Baumwolle oder Mischgeweben. Historisch wurde Samt dagegen fast ausschließlich aus Seide gefertigt und galt lange Zeit als Luxusstoff, den sich nur wohlhabende Gesellschaftsschichten leisten konnten.
Samtstoff – Geschichte eines königlichen Stoffes
Die Geschichte von Samtstoff ist eng mit der Seidenweberei verbunden. Bereits früh entwickelte sich aus dem Seidengewebe „Samit“ die Grundlage für die spätere Samtherstellung. Echter Kettsamt wurde seit dem 14. Jahrhundert vor allem in Norditalien gefertigt. Städte wie Mailand, Genua, Florenz und Venedig galten über viele Jahrhunderte als Zentren der Samtproduktion.
Im 17. Jahrhundert gelang es dem französischen Weber Claude Dangon erstmals, gemusterten Samt herzustellen. Dadurch entstanden besonders aufwendige Stoffe, die den europäischen Adel begeisterten. Erst ab dem 18. Jahrhundert entstanden auch in Deutschland größere Samtmanufakturen.
Während der Renaissance gehörten Samt und Brokat zu den kostbarsten Stoffen Europas. Roben, Mäntel und höfische Kleidung wurden häufig aus Samt gefertigt. Gleichzeitig hielt der Stoff Einzug in die Inneneinrichtung. Samtstoffe schmückten Vorhänge, Polstermöbel, Kissen und Wandbespannungen und sorgten in Schlössern und Herrenhäusern für Wärme und Eleganz.
Auch heute verbindet man Samtstoff mit hochwertiger Mode, luxuriösen Möbelstoffen und einer zeitlosen Eleganz.
Welche Arten von Samtstoff gibt es?
Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Samtarten entwickelt. Sie unterscheiden sich sowohl im Herstellungsverfahren als auch in ihren Eigenschaften und Einsatzbereichen.
Baumwollsamt
Baumwollsamt zählt zu den hochwertigsten Samtstoffen. Er besitzt eine angenehm matte Oberfläche, fühlt sich besonders weich an und eignet sich hervorragend für Bekleidung sowie hochwertige Polsterstoffe.
Kordsamt
Kordsamt gehört zur Familie der Kordstoffe und ist an seinen typischen Rippen zu erkennen. Die Rippen entstehen durch den Flor aus den Schussfäden. Je nach Breite unterscheidet man Fein-, Breit- oder Babycord.
Kordsamt ist besonders robust und wird häufig verwendet für:
Früher war Kordsamt vor allem unter dem Namen „Manchesterstoff“ bekannt, da die Herstellung eng mit der englischen Industriestadt Manchester verbunden war.
Stretchsamt
Stretchsamt gehört nicht zu den klassischen gewebten Samtstoffen, sondern zu den Wirkstoffen. Durch Elasthan besitzt er eine angenehme Elastizität und eignet sich besonders für figurbetonte Kleidung.
Pannesamt
Pannesamt wird nach der Herstellung zusätzlich gepresst oder gebügelt. Dieser Vorgang wird als „Pannieren“ bezeichnet und sorgt für die typisch glänzende Oberfläche. Deshalb wird Pannesamt häufig auch Spiegelsamt genannt.
Flocksamt
Flocksamt ist eine preisgünstigere Alternative zum gewebten Samtstoff. Hier werden feine Faserflocken auf einen Trägerstoff aufgebracht, anstatt eingewebt zu werden. Dadurch entsteht zwar ebenfalls eine samtige Oberfläche, die Haltbarkeit fällt jedoch meist geringer aus als bei echtem Samt.
Welche Eigenschaften besitzt Samtstoff?
Samtstoff überzeugt vor allem durch seine außergewöhnlich weiche Oberfläche und seinen eleganten Glanz. Gleichzeitig besitzt der Stoff viele praktische Eigenschaften, die ihn sowohl für Bekleidung als auch für Wohntextilien interessant machen.
Der Flor sorgt nicht nur für die angenehme Haptik, sondern verbessert auch die Wärmeisolierung und dämpft Schall sowie Lichteinfall. Deshalb wird Samtstoff seit Jahrhunderten gerne für Vorhänge oder Polstermöbel verwendet.
Typische Eigenschaften von Samtstoff sind:
Ein wichtiges Merkmal aller Samtstoffe ist die sogenannte Strichrichtung. Je nachdem, wie der Flor liegt, erscheint der Stoff heller oder dunkler. Streicht man mit der Hand gegen den Flor, spürt man einen leichten Widerstand. Mit dem Flor fühlt sich die Oberfläche dagegen besonders glatt an.
Auch das Material beeinflusst die Wirkung des Stoffes. Baumwollsamt wirkt eher matt und natürlich, während Pannesamt oder Polyester-Samt deutlich stärker glänzen. Stretchsamt bietet zusätzlich eine hohe Elastizität und eignet sich deshalb hervorragend für Bekleidung.
Samtstoff nähen – Verwendung für Kleidung und Wohntextilien
Samtstoff ist vielseitig einsetzbar und gehört sowohl im Mode- als auch im Interieurbereich zu den beliebtesten hochwertigen Stoffen. Durch seine weiche Oberfläche und seinen eleganten Fall eignet sich Samt für festliche Kleidung ebenso wie für stilvolle Wohnaccessoires.
Im Bekleidungsbereich wird Samtstoff häufig für Mäntel, Blazer, Kleider, Hosen oder Röcke verwendet. Besonders in der Herbst- und Wintersaison sorgt der Stoff für Wärme und eine edle Optik. Auch Dirndl, Trachtenwesten oder festliche Jacken werden häufig aus Samt gefertigt. Kordsamt erlebt zudem seit einigen Jahren ein echtes Comeback und ist besonders bei Hosen, Overshirts, Blazern und Kinderbekleidung sehr beliebt.
Auch im Wohnbereich überzeugt Samtstoff durch seine angenehme Haptik und seine schall- sowie lichtdämmenden Eigenschaften. Hochwertige Samtstoffe werden häufig verwendet für:
Besonders elegant wirkt Samtstoff in Kombination mit anderen hochwertigen Materialien wie Seide, Leinen oder Jacquard. Dadurch entstehen spannende Kontraste zwischen matten und glänzenden Oberflächen.
Samtstoff richtig pflegen
Samtstoff benötigt etwas mehr Aufmerksamkeit als viele andere Stoffarten. Mit der richtigen Pflege bleibt die weiche Floroberfläche jedoch lange schön.
Grundsätzlich sollte Samt möglichst selten gewaschen werden. Kleine Verschmutzungen lassen sich häufig bereits vorsichtig mit einer weichen Bürste oder einem leicht feuchten Tuch entfernen. Bei empfindlichen Baumwollsamtstoffen empfiehlt sich oft eine professionelle Reinigung.
Pannesamt oder andere Polyester-Samtstoffe sind etwas pflegeleichter und können häufig bei 30 °C im Schonwaschgang gewaschen werden. Anschließend sollte der Stoff an der Luft trocknen. Ein Wäschetrockner ist dagegen nicht empfehlenswert, da der Flor beschädigt werden kann.
Auch beim Bügeln ist Vorsicht geboten. Samtstoff sollte möglichst auf links und nur bei niedriger Temperatur gebügelt werden. Ein Bügeltuch schützt zusätzlich die empfindliche Oberfläche.
Zur Aufbewahrung empfiehlt es sich, Samtstoff möglichst aufgerollt statt gefaltet zu lagern. So entstehen keine dauerhaften Knickstellen im Flor.
Samtstoff verarbeiten – wichtige Nähtipps
Samtstoff lässt sich gut verarbeiten, verlangt jedoch etwas Sorgfalt. Vor dem Zuschneiden sollte der Stoff – sofern vom Hersteller empfohlen – einmal vorgewaschen werden.
Besonders wichtig ist die Strichrichtung des Flors. Sie beeinflusst die Farbwirkung des fertigen Kleidungsstücks erheblich. Werden alle Schnittteile in dieselbe Richtung zugeschnitten, entsteht ein gleichmäßiges Gesamtbild. Wer bewusst unterschiedliche Richtungen kombiniert, kann interessante Licht- und Farbeffekte erzielen.
Da sich zwei Samtlagen durch den Flor leicht gegeneinander verschieben, empfiehlt es sich, sorgfältig zu stecken und langsam zu nähen. Viele Stecknadeln oder Stoffklammern erleichtern das exakte Arbeiten.
Nach dem Zuschnitt sollten die offenen Kanten versäubert werden, da sich an den Schnittkanten feine Florfasern lösen können. Mit etwas Geduld entstehen daraus hochwertige Kleidungsstücke oder Wohnaccessoires, die lange Freude bereiten.
Samtstoff Meterware kaufen
Ob klassischer Baumwollsamt, robuster Kordsamt oder eleganter Pannesamt – bei uns findest Du hochwertige Samtstoff Meterware für unterschiedlichste Nähprojekte. Unsere Auswahl reicht von unifarbenen Stoffen bis zu modernen Trendfarben und eignet sich sowohl für Bekleidung als auch für Dekoration und Polsterarbeiten.
Mit hochwertigem Samtstoff lassen sich zeitlose Lieblingsstücke nähen, die Eleganz, Komfort und Langlebigkeit miteinander verbinden.
FAQ zu Samtstoff
Was ist Samtstoff?
Samtstoff ist ein Gewebe mit einer weichen Floroberfläche, die durch zusätzliche Kett- oder Schussfäden entsteht. Diese besondere Webart verleiht dem Stoff seine edle Optik.
Was ist der Unterschied zwischen Samt und Pannesamt?
Klassischer Samt ist gewebt und besitzt meist eine matte Oberfläche. Pannesamt wird zusätzlich gepresst und erhält dadurch seinen typischen glänzenden Effekt.
Wofür eignet sich Samtstoff?
Samtstoff eignet sich hervorragend für Kleider, Mäntel, Hosen, Blazer, Dirndl sowie für Polstermöbel, Kissen und Vorhänge.
Wie pflegt man Samtstoff richtig?
Samt sollte möglichst schonend gereinigt werden. Viele Samtstoffe können bei niedriger Temperatur gewaschen werden, empfindliche Qualitäten sollten jedoch professionell gereinigt werden.
Worauf sollte man beim Nähen von Samtstoff achten?
Beim Zuschneiden sollte immer die Strichrichtung des Flors beachtet werden. Außerdem empfiehlt es sich, den Stoff sorgfältig zu fixieren und die Schnittkanten anschließend zu versäubern.
Stand 02.07.26