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Herstellung und Historie der Seide

Die Fasern, aus welchen die meisten Seidenstoffe hergestellt werden, werden von dem Kokon des Maulbeerspinners (auch Seidenspinner genannt) gewonnen. Der Maulbeerspinner ist ein in China beheimateter Schmetterling. Die Seidenraupe ist die Larve des Seidenspinners. Um sich in einem Kokon zu verpuppen, produziert die Seidenraupe einen weißen Faden. Vor dem Beenden der Metarmorphose (also bevor der Falter schlüpft) wird die Puppe in heißem Dampf getötet. In kochendem Wasser löst sich dann der Seidenbast (dieser hat das Kokon verklebt) und der Seidenfaden kann abgehaspelt werden. Der Prozess, den kostbaren Faden zu gewinnen und zu verarbeiten, ist sehr aufwendig und langwierig. Deshalb ist der Preis für Seide auch so hoch. Für 250g Seidenstoff werden die Fasern sehr vieler Kokons gebraucht. Circa 3000 Stück sind nötig. Auch das trägt natürlich zum hohen Preis dieses Produktes bei.

Eine andere Art der Seide ist die Wildseide. Diese stammt von dem Schmetterling Nachtpfauenauge. Sie ist etwas unregelmäßiger und dicker als die Seide des Seidenspinners. Außerdem enthält Wildseide eingelagerte Farbpigmente, welche erhalten bleiben und dem Stoff einen gewissen Schimmer verleihen. Wildseide wird erst nach dem Schlüpfen des Falters gewonnen.

Seidenstoffe sollen in China schon seit circa 5000 Jahren bekannt sein. Angeblich war es eine Kaiserin, die den Seidenspinner in ihrem Garten entdeckte und herausfand, wie sich aus dessen Faden der teure Stoff herstellen ließ. Lange Zeit war jedoch die Herstellung von Seidenstoffen ein Geheimnis. Dieses Geheimnis unterlag demm Schutz der chinesischen Kaiserin. Wer Spionage oder Verrat beging, oder sogar versuchte Eier des Seidenspinners zu schmuggeln, wurde mit der Todesstrafe bestraft. Seidenstoff war folglich in Europa äußerst wertvoll, da er dort nicht angefertigt werden konnte. Erst im 6. Jahrhundert n.Chr. gelang es zwei Mönchen (so sagt es zumindest die bekannnteste Geschichte) die Eier des Seidenspinners in den Mittelmeerraum zu schmuggeln. Seitdem hat sich vor allem Italien zum Zentrum der europäischen Seidenproduktion entwickelt. Die Städte Venedig und Lucca beispielsweise gelten als Hochburgen der Seidenherstellung.

 

Welche Eigenschaften hat das Material?  

Seidenstoffe sind nicht nur aufgrund ihrer komplizierten Herstellung so teuer. Das Gewebe hat außerdem sehr besondere Eigenschaften. Seide war daher nicht umsonst früher ausschließlich der Stoff der Könige, Kaiser und Reichen. Der luxuriöse Stoff besticht durch sein besonders gutes Hautgefühl. Seidenstoffe sind sehr weich und anschmiegsam und tragen sich daher sehr gut. Außerdem gibt es kaum einen Stoff, der so schön und fließend fällt wie Seide. Jegliches Kleidungsstücke aus diesem Material wirkt daher auch sehr schick und edel. Natürlich trägt dazu auch der besondere Glanz von Seidenstoffen bei. Des Weiteren trocknet Seide sehr schnell, ist reißfest und knittert kaum. Noch dazu wirkt Seide temperaturregulierend. Seidenstoffe können sowohl gegen Hitze als auch gegen Kälte schützen. Sie sind daher sowohl im Sommer als auch im Winter perfekt für Bekleidung geeignet. Außerdem kann das Material bis zu 30% der Hautfeuchtigkeit aufnehmen, ohne sich tatsächlich feucht anzufühlen und gibt diese durch Verdunstung wieder ab. Natürlich ist nicht jeder Seidenstoff gleich und somit unterscheiden sich auch die genauen Eigenschaften ein wenig. Diese sind dann abhängig von der Webart des Stoffes und von welchem Schmetterling die Faser gewonnen wurde.

 

Was gibt es für Seidenarten?

Seidenarten, welche sich aufgrund der Herstellung unterscheiden:

  • Haspelseide (auch Maulbeerseide genannt) ist jene Seide, bei welcher der Faden mit einem einzigen Zug aus dem Kokon des Maulbeerspinners gewonnen wird. Dieser kann sogar bis zu 1.200m lang sein. Der Faden ist reinweiß und lässt sich somit sehr gut einfärben. Auch seine gute Reißfestigkeit trägt dazu bei, dass Haspelseide als der Seidenstoff mit der besten Qualität gilt. Außerdem hat der Faden der Haspelseide eine sehr glatte Oberfläche, wodurch diese einen besonderern Glanz erhält.
  • Schnappeseide wird aus den Resten des bereits abgehaspelten Kokons gewonnen. Da die Seidenproduktion so aufwendig ist, will man möglichst wenig Abfälle produzieren. Man versucht also durch Abkämmen (mit dem Kammgarnverfahren) alle verwendebaren Reste aus dem Kokon zu erhalten. Die Fäden werden hierbei mehrmals gekämmt, gereinigt und geordnet. Zu den verwendbaren Abfällen zählen beispielsweise die Fäden, welche die Raupen als Halterung um den Kokon spinnen. Schnappeseide ist weich und hat einen leichten Glanz.
  • Aus Kokonresten und sehr kurzen Fäden wird Bouretteseide hergestellt. Diese hat kleine Knötchen, welche der Seide eine grobe Struktur verleihen. Außerdem kann sie nie komplett vom Seidenleim befreit werden und hat daher einen charakeristischen Geruch. Dieser bleibt selbst nach dem Waschen noch teilweise erhalten. Der Seidenleim hat eine entzündungshemmende Wirkung und ist generell sehr hautfreundlich. Daher wird Bouretteseide vorallem gern für Babyprodukte wie Decken und Windeln verwendet.
  • Dupionseide ist eine spezielle Art der Maulbeerseide. Sie wird aus Doppelkokons gewonnen, in denen sich zwei Raupen miteinander verpuppt haben. Meistens wird Dupionseide dann zusammen mit reiner Haspelseide verarbeitet. Dupionseide ist recht ähnlich zur Haspelseide. Allerdings ist sie in der Struktur etwas unregelmäßiger und weist einen sehr hohen Glanz auf.

Je nach Web- oder Strickart unterscheiden sich die verschiedenen Seidenarten ein wenig. Sehr typische Seidenarten sind Organzaseide, Seidensatin, Seidenchiffon und Seidenjersey:

  • Organzaseide ist ein transparenter und sehr feiner Seidenstoff. Außerdem ist er leicht schillernd. Organza eignet sich beispielsweise gut für wunderschöne (Hals-)tücher und Schals oder leichte Kleider.
  • Seidensatin ist in der Atlasbindung gewebt. Charakteristisch für Satin ist, dass eine Seite sehr glänzend und die andere Seite des Stoffes matt ist. Satin ist außerdem sehr weich und geschmeidig. Er eignet sich gut für Abendkleider und schicke Blusen.
  • Seidenchiffon wird aus Kreppgarn gefertigt und hat daher wie Crepe Georgette einen sandigen Griff. Chiffon ist, wie auch Organza, ein recht durchsichtiger und feiner Seidenstoff.
  • Seidenjersey wird Im Gegensatz zu anderen Seidenstoffen nicht gewebt, sondern gewirkt beziehungsweise gestrickt. Die Folge davon ist, dass dieses Material besonders elastisch ist.

 

Einsatzbereich des Stoffes

Seidenstoffe werden vorzugsweise in der Modebranche verwendet. Durch den außergewöhnlichen schönen Fall eignen sie sich perfekt für schicke Bekleidung und Abendgarderobe. Beliebt sind vor allem Seidenblusen, Tops und Kleider. Ob schlichtes Hängerkleidchen, Abendkleid oder Brautkleid, jedes Kleid aus Seide ist definitiv ein edler Hingucker! Aber auch hochwertige Nacht- und Unterwäsche wird gerne aus dem Material gefertigt.

Bereits seit Jahrhunderten wird Seide auch im Interieurbereich verwendet. Die traditionsreiche venezianische Weberei Luigi Bevilacqua fertigt seit 1875 für angesehene Kunden und berühmte Gebäude einzigartige Kunstwerke.  Eine Führung in der alten Handwerksweberei in Venedig ist übrigens sehr empfehlenswert. 

Im Wohnbereich werden Seidenstoffe oft z.B. für Gardinen oder Kissen verwendet. Ja sogar Bettwäsche aus Seide ist erhältlich, die ein besonders gutes Schlafklima erzeugt. Sie kann nämlich sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen, wenn der Körper schwitzt, ohne sich nass anzufühlen. Anschließend wird die Feuchtigkeit in die Raumluft abgeben. Auch Seidenkissen sind durchaus beliebt. Im Vergleich zu Bezügen aus Baumwolle verhindern sie, dass die Haare beschädigt werden und beugen Spliss vor.

 

Wie nähe ich Seidenstoff?

Seidenstoffe sind gar nicht so einfach zu verarbeiten! Wenn du einige wichtige Dinge beachtest, sollte aber nichts schiefgehen. Selbst Nähanfänger können durchaus ein Nähprojekt mit Seidenstoff meistern. Ganz wichtig ist zu aller erst, dass du saubere Hände hast, denn Flecken sind aus Seidenstoffen nur schwer entfernbar. Außerdem solltest du deinen Stoff einmal vorwaschen (nur von Hand!), da dieser noch etwas schrumpfen könnte.

Bevor du deinen Stoff nun zuschneidest, solltest du ihn zuerst glatt bügeln. Falls der Mittelbruch sich nicht glatt bügeln lässt, solltest du diesen auch beim Zuschnitt weglassen. Er wird nämlich auch später (trotz mehrmaligem Waschen) nicht glatt werden und somit auch auf deinem fertigen Nähprojekt zu sehen sein. Zum Zuschneiden musst du unbedingt eine gute und scharfe Schneiderschere verwenden, um den teuren Seidenstoff nicht zu beschädigen. Falls der Seidenstoff auf deiner Unterlage zu sehr rutscht, hilft es ein Bettlaken unterzulegen.

Um dein Schnittmuster auf dem Stoff zu befestigen solltest du sehr feine Stecknadeln, oder besser noch, Gewichte verwenden. Herkömmliche Stecknadeln können nämlich unschöne Löcher in Seidenstoffen hinterlassen.

Bevor du dich jetzt ans Nähen machst, solltest du anhand eines kleinen Stoffrestes die richtigen Einstellungen an deiner Nähmaschine herausfinden. Achte darauf, dass Fadenspannung und Stichlänge genau passen und sich dein Stoff nicht verzieht oder größere Einstichlöcher der Nähnadel zu sehen sind. Meist kannst du dieses Material mit einer Universalnadel in 70 oder 80 vernähen. Solltest du eine feinere Nadel benötigen, eignen sich spezielle Microtexnadeln hervorragend. Generell solltest du darauf achten eine intakte Nadel zu verwenden. Nadeln die zu stumpf oder kauputt sind, könnten deinen Seidenstoff sonst beschädigen.

Mit der nötigen Konzentration sollte nun nichts mehr schiefgehen!

 

Wie wasche ich Seide richtig?

Bei der Pflege von Seidenstoffen gibt es so einiges zu beachten! Seide ist extrem empfindlich und Flecken können nur schwer entfernt werden. Du solltest Seidenstoffe keinesfall in der Waschmaschine waschen, da diese sonst beschädigt werden können! Allerdings kannst du Seide gut von Hand waschen. Achte hierbei auf eine möglichst niedrige Temperatur. Verwende ein mildes Feinwaschmilttel ohne rückfettende Substanzen, Enzyme zur Fleckenentfernung oder Bleichmittel. Am besten ist ein spezielles Seidenwaschmittel geeignet. Um alle Rückstände des Waschmittels loszuwerden, ist mehrmaliges Auswaschen des Stoffes nötig. Wenn du einige Tropfen Essigessenz ins Wasser gibst, wird außerdem die Farbe und der Glanz des Seidenstoffes wieder aufgefrischt. Natürlich kannst du auch auf Nummer sicher gehen und deinen Seidenstoff in die chemische Reinigung geben.

Zum Trocknen solltest du Seidenstoffe keinesfalls auswringen oder in den Trockner geben. Am besten hängst du den Stoff zum Trocknen auf oder legst ihn formgerecht auf ein Handtuch. Achte darauf, dass er beim Trocknen vor direkter Sonneneinstrahlung oder großer Hitze geschützt ist, um Beschädigungen zu vermeiden. Bei zu viel Sonneneinstrahlung kann Seide nämlich vergilben.

Ein Stoff aus Seide lässt sich bei geringer Hitze auf Stufe eins problemlos bügeln. Achte aber darauf, dass du deinen Stoff auf Links bügelst, am besten wenn er noch leicht feucht ist. Wichtig: nicht mit Wasser besprechen, da sonst unschöne Wasserränder zurückbleiben können.

Wenn du diese Tipps beachtest, solltest du auch lange Freude mit deinem Produkt haben. Natürlich solltest du aber auch immer einen Blick auf die genauen Pflegehinweise des Hersteller werfen.

 

Seidenstoffe Meterware kaufen

Wunderschöne und hochwertige Seidenstoffe als Meterware kannst du bei uns online oder direkt im Laden kaufen. Wie schon gesagt, ist der Meterpreis bei Seide allerdings um einiges höher als beispielsweise bei Baumwolle. Du hast dann für dein Nähprojekt aber auch etwas ganz besonderes, um das dich viele anschließend beneiden werden. Unser Angebot umfasst Seidenstoffe in verschiedenen Webarten und vielen Unifarben. Darüberhinaus führen wir auch extravagante Seidenstoffe mit wunderschönen Mustern. Neben 100 % reiner Seide kannst du bei uns auch Seidenmischgewebe mit Beimischungen von beispielsweise Baumwolle, Viskose, Kaschmir oder Schurwolle erwerben.